Risikoeinschätzung des Metastasierungsrisikos bei Brustkrebs

Risikoeinschätzung des Metastasierungsrisikos bei Brustkrebs 2017-08-18T16:01:40+00:00

Chemotherapie: ja oder nein?

Der Arzt stellt anhand verschiedener Faktoren fest, ob eine Chemotherapie sinnvoll und/oder notwendig ist. Eine Chemotherapie soll das Risiko verringern, dass der Brustkrebs streut. Zur Beantwortung der Frage, ob eine Chemotherapie angezeigt ist oder nicht, sind daher Faktoren zu beachten, die das Metastasierungsrisiko vergrößern. Die gemeinsame Beurteilung dieser Faktoren zusammen mit dem Ergebnis des MammaPrint-Tests hilft Ihnen und Ihrem Arzt, die Behandlungstherapie gezielt auf Sie abstimmen. Daneben können sie bei der Beantwortung der Frage, ob Sie (neben den anderen Behandlungsmöglichkeiten) eine Chemotherapie benötigen oder nicht, behilflich sein. Die im Nachfolgenden genannten Faktoren lassen sich nicht getrennt betrachten. In einigen Fällen wird trotz vorhandener Risikofaktoren gegen eine Chemotherapie entschieden, beispielsweise bei einem kleinen Tumor. Die folgende Liste bietet lediglich grobe Hinweise; die Feststellung der Notwendigkeit einer Chemotherapie ist komplizierter als eine einfache Addition der positiven/negativen Antworten bei einem dieser Faktoren.

ER (Östrogenrezeptor): Dieser Faktor gibt Auskunft über die Hormonsensitivität des Tumors. Ist der Tumor hormonunempfindlich (auch ER- oder östrogen-negativ genannt), gilt dies als Risikofaktor, der fast immer dazu führt, dass eine Chemotherapie verordnet wird.
In diesem Fall hat ein MammaPrint-Test nur einen äußerst geringen zusätzlichen Wert.

HER2: Ist der Tumor HER2-positiv, gilt dies als Risikofaktor und wird in den meisten Fällen eine bestimmte Medikation (Trastuzumab/Herceptin) verschrieben, die gezielt gegen das HER2-Protein gerichtet ist. Bei dieser Medikation wird in der Regel auch eine Chemotherapie verordnet. Bei einem Teil dieser Patientinnen kann ein MammaPrint-Test ein „Niedriges Risiko” ergeben. Ob in einem solchen Fall auf eine Chemotherapie verzichtet wird, ist eine Entscheidung, die Arzt und Patientin gemeinsam treffen, wobei auch noch andere (Risiko-)Faktoren berücksichtigt werden.

Tumorgrad: Je höher der Tumorgrad ausfällt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit einer Chemotherapie:

  • Grad I: die Krebszellen stimmen weitgehend mit gesunden Zellen überein und weisen zumeist ein langsames Wachstum auf.
  • Grad II: die Krebszellen stimmen immer weniger mit gesunden Zellen überein, wachsen zumeist schneller als normale Zellen und kleben schneller zusammen.
  • Grad III: die Krebszellen haben kaum noch Übereinstimmung mit gesunden Zellen und wachsen fast immer viel schneller als normale Zellen.

Alter: Das Alter der Patientin spielt auch eine Rolle. Je jünger eine Patientin ist, desto eher wird eine Chemotherapie in Erwägung gezogen.

Lymphknoten: Positive Lymphknoten stellen einen Risikofaktor dar; je größer ihre Zahl, desto größer ist die Notwendigkeit einer Chemotherapie. Bei Patientinnen mit 1-3 positiven Lymphknoten kann ein MammaPrint-Test ein „Niedriges Risiko” ergeben und ist der zusätzliche Wert einer Chemotherapie eher gering.

Stadium des Brustkrebses: Je weiter das Stadium fortgeschritten ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Chemotherapie notwendig ist:

  • Stadium IA: Tumorgröße kleiner als 2 cm, ohne Befall der Lymphknoten in der Achselhöhle.
  • Stadium IB: Tumorgröße kleiner als 2 cm, mit Mikrometastasen (<2 mm) im Achsellymphknoten.
  • Stadium IIA: Tumorgröße bis 2 cm, mit maximal 3 befallenen Lymphknoten in der Achselhöhle. Oder ein Tumor zwischen 2-5 cm ohne Lymphknotenbefall.
  • Stadium IIB: Tumorgröße zwischen 2-5 cm, mit maximal 3 befallenen Lymphknoten in der Achselhöhle. Oder der Tumor ist größer als 5 cm ohne Lymphknoten.
  • Stadium III: Tumorgrößer über 5 cm, mit Durchdringung der Haut oder Ausdehnung auf die Brustwand mit eventuellem Befall der Lymphknoten in der Achselhöhle.
  • Stadium IV: ein Tumor mit nachweisbaren Fernmetastasen.

Triple negative: Wenn ein Tumor „triple negative” oder dreifach negativ ist, sind ER, PR und HER2 alle drei negativ. Bei diesem Risikofaktor wird fast stets eine Chemotherapie verordnet. In diesem Fall hat ein MammaPrint-Test keinen zusätzlichen Wert.

Tumorgröße: Je größer der Tumor ist, desto größer ist die Notwendigkeit einer Chemotherapie. Bei einer Tumorgröße von über 5 cm sollte der MammaPrint-Test nicht mehr eingesetzt werden, da der Test nur für Tumore bis 5 cm validiert ist. Bei größeren Tumoren (aber immer häufiger auch schon bei kleineren Tumoren) wird mitunter eine zusätzliche Therapie gewählt, die vor der Operation durchgeführt wird (eine so genannte neoadjuvante Therapie); in diesem Fall kann ein MammaPrint-Test bei der Therapiewahl helfen.