Häufig gestellte Fragen

Häufig gestellte Fragen 2018-08-16T09:55:50+00:00

Was ist MammaPrint®?

MammaPrint ist ein einzigartiger Test, mit dem bestimmt werden kann, wie aggressiv Ihr Brusttumor ist und ob das Risiko einer erneuten Erkrankung (Fernmetastasierung) hoch oder niedrig ist. Anhand des Ergebnisses des MammaPrint-Tests können Sie zusammen mit Ihrem Arzt entscheiden, ob für Sie beispielsweise eine zusätzliche Chemotherapie notwendig ist oder nicht. Mit MammaPrint  lässt sich anhand der Analyse von 70 Genen im Krebsgewebe beurteilen, ob das Metastasierungsrisiko in Ihrem Fall hoch oder niedrig ist. Der Test ist ein so genannter „Fingerabdruck“ Ihres Tumors. Ein Test dieser Art wird auch „Genexpressionstest“ genannt.

Ist der MammaPrint-Test für mich geeignet?

MammaPrint wurde für Patientinnen mit sogenanntem „invasiven Brustkrebs im Frühstadium“ entwickelt, bei denen der Tumor nicht größer als 5 cm ist und maximal 3 befallene Lymphknoten gefunden wurden. Der Test wird in den aktuellen deutschen Leitlinien mit höchstem medizinischen Evidenzgrad empfohlen. Die Frage, ob der MammaPrint-Test in Ihrer Situation geeignet ist, sollten Sie mit Ihrem Arzt besprechen.

Kann ein MammaPrint-Test jederzeit durchgeführt werden?

Wurde gemeinsam mit Ihrem Arzt beschlossen, dass die Durchführung des MammaPrint-Tests in Ihrem Fall sinnvoll ist, kann er sowohl vor als auch nach der Operation durchgeführt werden. Vor der Operation kann mit einer so sogenanntem Biopsienadel Gewebe entnommen werden. Nach der Operation kann das Krankenhaus eine Gewebeprobe des Tumors an das Zentrallabor von Agendia schicken.
So kann der MammaPrint-Test sowohl vor als auch nach dem Eingriff durchgeführt werden. Innerhalb von 10 Werktagen erhält Ihr behandelnder Arzt das Testergebnis von Agendia und kann es anschließend mit Ihnen besprechen. In einigen wenigen Fällen kann es sein, dass die Gewebeprobe zu wenige Tumorzellen für die Testdurchführung enthält und das Metastasierungsrisiko nicht prognostiziert werden kann.

Wie kann ich den MammaPrint-Test durchführen lassen?

Sie können den Test nicht selbst anfordern, sondern müssen sich hierzu an Ihren behandelnden Arzt wenden. Dieser kann den Test bei Agendia anfordern.

Werde ich mit MammaPrint geheilt?

MammaPrint ist kein Behandlungsverfahren oder Medikament, sondern ein diagnostischer Test, mit dem sich feststellen lässt, wie aggressiv der Tumor in Ihrem Körper ist. Mit dem Ergebnis des MammaPrint-Tests können Sie zusammen mit Ihrem Arzt auf einer breiteren Informationsbasis entscheiden, welcher Behandlungsplan für Ihre Situation am günstigsten ist.

Warum sollte ich mich für MammaPrint entscheiden?

Der MammaPrint-Test kann Ihnen bei der Beantwortung der Frage behilflich sein, ob in Ihrem Fall eine Chemotherapie von Nutzen ist oder ob Sie gefahrlos darauf verzichten können. In Deutschland erhalten
60-70 % der Brustkrebspatientinnen eine Chemotherapie, obwohl bekannt ist, dass diese strapaziöse Behandlung bei vielen dieser Frauen nicht notwendig ist. Nicht weniger als die Hälfte der Brustkrebspatientinnen erhalten eine Chemotherapie-Behandlung, die ihnen nicht hilft,, wohl aber Nebenwirkungen verursacht. Mit einem MammaPrint-Test erhalten Sie eine klare Risikobeurteilung, die deutlich angibt, ob das Metastasierungsrisiko hoch oder niedrig ist. Bei dem Ergebnis „Niedriges Risiko“ kann bedenkenlos auf eine Chemotherapie verzichtet werden. Mit dem MammaPrint-Test ließe sich jährlich bei rund 20.000 Patientinnen (in Deutschland) eine überflüssige Chemotherapie vermeiden.

Wie gelangt mein Arzt an Tumorgewebe für den MammaPrint-Test?

Ihr Arzt entnimmt von dem bei der Operation entfernten Tumor eine kleine Gewebeprobe. Vor einer Operation kann Tumorgewebe auch anhand einer Nadelbiopsie entnommen werden. Diese Gewebeprobe wird anschließend an das Zentrallabor von Agendia geschickt.

Bei der Operation wurden keine Metastasen in den Lymphknoten gefunden. Wie groß sind meine Chancen?

Ohne eine postoperative Behandlung besteht das Risiko eines Rückfalls. Dieses Risiko lässt sich jedoch mit einer zusätzlichen Therapie verringern. Wenn Sie einen MammaPrint-Test durchführen lassen, erfahren Sie, ob eine Chemotherapie zur Behandlung des Tumors sinnvoll ist und anhand dieser zusätzlichen Informationen lässt sich ein fundierter Behandlungsplan aufstellen.

Sagt der MammaPrint-Test auch etwas über die Erblichkeit aus?

Nein, dafür ist eine andere genetische Untersuchung erforderlich, bei der die genetischen Risikofaktoren beispielsweise anhand der Gene BRCA1 oder BRCA2 überprüft werden.

Wie lange dauert es, bis das Ergebnis vorliegt?

Das Ergebnis des MammaPrint-Tests liegt innerhalb von 10 Werktagen vor und wird sofort an Ihren Arzt weitergeleitet.

Wo wird der MammaPrint-Test durchgeführt?

Der MammaPrint-Test wird im Zentrallabor von Agendia in Amsterdam durchgeführt. Unser Labor erfüllt alle verlangten Qualitätsanforderungen und ist entsprechend zertifiziert. Die dafür notwendigen Kontrollen werden regelmäßig wiederholt.

Welche Bedeutung haben MammaPrint und „genetische Untersuchungen“?

Ärzte verlassen sich seit jeher auf „klinisch-pathologische Faktoren“, d. h., dass unter anderem das Alter der Patientin, Tumorgröße, Tumorgrad, Lymphknotenbefall und Hormonsensitivität des Tumors zur Beurteilung des Metastasierungsrisikos herangezogen werden.

Seit einiger Zeit beschränkt sich die Krebsdiagnostik jedoch nicht mehr auf die klassischen Parameter, sondern strebt – mit individualisierter Medizin oder „Precision Medicine“ – nach einem innovativeren Ansatz bei der Vorbeugung und Behandlung von Krankheiten, in dem auch Unterschiede in den Ausprägungen der Gene, der Umgebung und im Lebensstil der Menschen berücksichtigt werden.

Gibt es weitere Agendia-Tests für Brustkrebs?

Ja, zusätzlich zum MammaPrint®– hat Agendia den BluePrint®-Test entwickelt, einen neuen Test, mit dem sich noch mehr Informationen über das Tumorverhalten erfassen lassen®. Dabei handelt es sich um ein Profil, dass die Aktivität von 80 Genen im Brusttumor analysiert und diese anschließend in 3 Typen einteilt: Basal-, Luminal ( A- oder B) oder HER2-Typ. Dabei handelt es sich um so genannte molekulare Subtypen, deren Klassifizierung – wie in der medizinischen Literatur zunehmend belegt – Aussagen über die Reaktion auf bestimmte Therapien ermöglicht. Mit der Kombination des Metastasierungsrisikos (MammaPrint) und der molekularen Subtypisierung (BluePrint) entsteht ein klareres Bild davon, wie das individuelle Wachstum jedes Brustkrebses gesteuert wird.

Die MINDACT-Studie

Was ist die MINDACT-Studie?

MINDACT ist die Abkürzung von Microarray In Node-negative and 1 to 3 positive lymph node Disease may Avoid ChemoTherapy (MINDACT).
Dies ist die erste und bisher einzige prospektive, randomisierte Phase III-Studie, in der die Risikoeinschätzung mit MammaPrint® direkt mit den viel verwendeten klinisch-pathologischen Kriterien verglichen wurde. Viele Patientinnen mit dem MammaPrint-Testergebnis ‚Niedriges Risiko‘ konnten trotz Vorhandensein von klinischen Hochrisikofaktoren gefahrlos auf eine Chemotherapie verzichten.

Was ist eine prospektive, randomisierte Studie?

Prospektiv bedeutet: vorausschauend. In einer prospektiven Untersuchung wird zuerst anhand einer Stichprobe (Randomisierung) bestimmt, welche Behandlung ein Patient erhält, danach folgen die Messungen. Bei der Randomisierung wird den Patienten von einem Computersystem zufällig ein Therapieplan zugewiesen. Die Randomisierung führt dazu, dass unbekannte oder nicht gemessene Störfaktoren möglichst gleichmäßig über die Gruppen verteilt werden. Dadurch wird ihr durchschnittlicher Effekt auf das Ergebnis über alle Gruppen ausgeglichen. Weder Sie noch Ihr Arzt weiß im Voraus, welche Behandlung Sie erhalten.

Welchem Zweck dient die MINDACT-Studie?

Können Frauen mit frühem Brustkrebs mit einem klinisch-pathologisch hohen Risiko für eine Fernmetastasierung mit Hilfe eines Genexpressionstests identifiziert werden, bei denen gefahrlos auf eine Chemotherapie verzichtet werden kann?

Einige Fakten zu dieser Studie:

  • Es haben 112 Zentren aus neun europäischen Ländern teilgenommen
  • Die Studie wurde von 2007 bis 2011 durchgeführt
  • 6.693 teilnehmende Patientinnen mit Brustkrebs im Frühstadium ohne Lymphknoten-Befall oder mit einem bis drei positiven Lymphknoten
  • Die Ergebnisse ergaben den höchsten medizinischen Evidenzgrad für den MammaPrint-Test
  • Von den insgesamt 112 Kliniken haben 20 deutsche Brustkrebszentren teilgenommen

Ergebnis: MINDACT zeigt, dass Patientinnen mit hohem Metastasierungsrisiko nach konventionellen klinisch-pathologischen Kriterien, die jedoch nach MammaPrint in die Profilgruppe “Niedriges Risiko” fallen, keinen signifikanten oder klinisch relevanten Vorteil von einer Chemotherapie haben. Bei dieser Patientinnen kann somit gefahrlos auf eine Chemotherapie verzichtet werden, ohne die Überlebenschance zu beeinträchtigen.

In Deutschland handelt es sich dabei um rund 20.000 Frauen, die unnötigerweise eine Chemotherapie erhalten. Mit den Ergebnissen dieser Studie hat MammaPrint den höchsten medizinischen Evidenzgrad (Niveau 1A) erhalten. Es gibt für Brustkrebs keinen anderen Genexpressionstest mit einem derart hohen Evidenzgrad.

Wie lauten die wichtigsten Ergebnisse der MINDACT-Studie?

  • Es wurde nachgewiesen, dass bei 46 % der Patientinnen mit einem klinisch hohen Risiko, die üblicherweise Kandidatinnen für eine Chemotherapie gewesen wären, auf diese Therapie verzichtet werden kann. Unnötige Nebenwirkungen und Nachteile der Chemotherapie können einem Großteil der Patientinnen erspart bleiben. Dabei handelt es sich kurzfristig um Haarausfall, Übelkeit und Erschöpfung. Zu den dauerhaften Nebenwirkungen können kognitive Beeinträchtigungen und Konzentrationsstörungen, Herzerkrankungen, dauerhafte Nervenschädigungen und sogar sekundäre Tumore wie Leukämie gehören. Deswegen ist es wichtig zu wissen, welche Frauen keine Chemotherapie benötigen, sodass eine „Überbehandlung“ vermieden werden kann.
  • Gut 94 % der Patientinnen mit einem klinisch hohen Risiko, die nach einem MammaPrint-Test in die Gruppe mit einem geringen Risiko eingestuft wurden, hatten nach 5 Jahren keine Metastasen, wobei sich zwischen der Gruppe, die mit einer Chemotherapie behandelt worden war, und der Gruppe, die auf Basis der Studie keine Chemotherapie erhalten hatte, keine Unterschiede zeigten.

Wer hat die Studie durchgeführt?

Die MINDACT-Studie wurde von der hochangesehenen, unabhängigen europäischen Forschungsorganisation EORTC (European Organization for the Research and Treatment of Cancer) und der Breast International Group (BIG)durchgeführt.

Wie war Agendia an der Untersuchung beteiligt?

Agendia hat die für die Studie der EORTC benötigten MammaPrint-Tests kostenlos zur Verfügung gestellt. Agendia wird auch in Zukunft mit führenden Krebszentren und Wissenschaftsgruppen zusammenarbeiten, um für Krebspatienten anhand weiterer klinischer Untersuchungen effektivere individuelle Behandlungen zu entwickeln.

Quellen:

  1. Cardoso F, van’t Veer LJ, Bogaerts J et al. 70-Gene Signature as an Aid to Treatment Decisions in Early-Stage Breast Cancer. N Engl J Med 2016; 375: 717-29.

Hier finden Sie den vollständigen Studienbericht